Freitag, 11. März 2011

März - Die Saat-Saison hat begonnen!

Was ist neu?

In den letzten Wochen durften wir drei neue Babys erhalten. Wir durften Alwande (2 Jahre, w), Sphiwo (anderthalb Jahre, m) und Nomfanelo (10 Monate, w) herzlich willkommen heißen. Die drei sind gute Spielkameraden für die anderen vier geworden und es macht Spaß ihnen beim spielen, klettern und rumalbern zuzusehen. Wenn ich in den Raum komme, stürzen sie sich gleich auf mich und wollen durch die Luft gewirbelt werden.

Die beiden Jungs zeigen reges Interesse an Handwerksarbeit und helfen mir manchmal mit ihren Werkzeugen, Löcher zu bohren und Haken an die Wand zu schrauben. Die Mädchen verkleiden sich gerne als Prinzessinnen und würden sich auch gern so behandeln lassen. Die Kinder tun alles, damit uns nicht langweilig wird. Es ist gar nicht so leicht, alle Kinder ins Bett zubekommen, ohne dass es danach wieder laut wird, oder ein Essen zuzubereiten, dass nicht „von alleine“ vom Essenstisch fällt. Auch versuchen wir den Kindern Höflichkeitsformen beizubringen und mit Messer und Gabel zu essen. Ich bin sehr zuversichtlich und freue mich sehr, dass ich mich hier einbringen kann.


Diese Woche hatten wir ein Picknick für die Kinder veranstaltet. Sie lieben es immer sehr, möglichst viel und als schnellstes zu essen. Mit März hat die Saat-Saison begonnen, und somit durften die Kinder in den, ihnen zugeteilten Stücken im Gemüsegarten, Samen einlegen. Wir sind gespannt, was daraus wird. Sonne werden die Pflanzen wohl genug haben. Heute zeigte das Thermometer 44 Grad!

Im und am Haus wird trotz der Temperaturen fleißig gearbeitet. Drinnen haben Ty und ich den Boden fertig mit Fliesen ausgelegt. An den vielen Fenstern haben wir Gardinen und Rolläden installiert. Im Lagerraum wurden einige gespendete Kubikmeter Windeln verstaut und Kinderkleidung sortiert und beschriftet. Möbel wurden repariert und gestrichen. Draußen wird ein groß angelegtes Regenabfluss-System gebaut, damit wir nicht wieder geflutet werden. Neben vielen weiteren Arbeiten drehen Ty und ich ein Video, um internationale Spenden für iKhaya LikaBaba zu gewinnen. Dafür interviewen wir alle möglichen Leute. Auch an unserem Internetauftritt wird stetig gebastelt.
Und was sonst so?


Ein besonders beieindruckendes Ereignis war für mich eine Stadtbesichtigung in Durban. Bei der Tour wollte uns ein Bekannter das „wirkliche Durban“ zeigen, also jenseits von den Einkaufsmeilen und Luxushotels am Strand. Ein Einheimischer zeigte uns, wie die Schwarzafrikaner hier leben. Sie leben wie fast überall in Südafrika in Townships, in kleinen ärmlichen Hütten. Während der Apartheid, die bis in die 90er anhielt, lebten alle Rassen Südafrika untereinander in staatlich zugeteilten Gebieten. Dabei hatten die Schwarzen die wenigsten Rechte, Farbige und Asiaten einige mehr, und die Weißen die meisten.

Heute darf jeder dort leben, wo er will, dennoch hinterlässt das Apartheidsdenken immer noch viele Spuren in den Köpfen der Bevölkerung und so gibt es immer noch die Viertel, wo nur eine einzige Bevölkerungsgruppe lebt. Man merkt allerdings auch, es nicht mehr sehr viel Rassismus gibt, sondern dass man sich gegenseitig respektiert. Vor allem bei der jungen Generation spielt die Herkunft für das Miteinander keine große Rolle. Und somit haben sich auch die Schwarzafrikaner gefreut, dass wir uns für ihre Kultur interessierten. Auf dem Markt hat mir gleich jemand eine Kostprobe seiner Kuhkopfsuppe gegeben. Soll angeblich Hals, Lungen und Nieren reinigen. Die Afrikaner sind alle sehr offen und möchten gerne mit dir reden. Somit hatten wir einige schöne Erlebnisse, die ich gar nicht alle aufschreiben kann.

Fotos vom Heim im Februar/März und von Durban:
https://picasaweb.google.com/115000138895194031892/MarzKunterbunt?feat=directlink

This is Africa! - Die Tücken des Alltags

Der südafrikanische Lebensstandard gleicht zu einem erstaunlich großen Teil dem europäischen Standard. Man sollte deswegen allerdings nicht meinen, dass alles reibungslos läuft wie in Europa.

Bei uns auf dem Gelände äußert es sich das z. B. so aus: An einem Tag kommt kein Wasser aus den Leitungen, weil eine Pumpe defekt ist. Dass wir auf warmes Wasser meistens verzichten mussten, waren wir ja gewöhnt, aber dass gar kein Wasser kam, machte uns doch etwas stutzig. Waschen und auf Klo gehen, fällt dann für eine Weile aus. „This is Africa!“ sagt uns der Südafrikaner dann grinsend. „This is Africa!“ - Das ist nicht nur ein Spruch, sondern eine Lebenseinstellung! Sie drückt die Gelassenheit des Betroffenen aus, wenn mal gerade etwas nicht richtig läuft.

Man wartet geduldig auf den Spezialisten, der alles wieder zurecht rückt. Dann kann sich ein jeder, der noch eingeschäumt unter der Dusche steht, fertig abspülen und den Wert des Wassers schätzen lernen.

Einen Tag darauf ist der Strom weg. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Geburtstagsfeier eines der Kinder stattfinden soll. Natürlich muss vorher noch gebacken werden. Nichts ist zu machen. Eine Ausweichmöglichkeit wird gesucht, während aus den Kühlschränken und Eisfächern geschmolzenes Eis tropft. Ich sag nur: „This is Africa!“

An den anderen Tagen ist es der Rasenmäher, der wieder einmal den Geist aufgibt, das störrische Auto, der Regen, der durchs Dach tropft und in Massen unter die Eingangstürritze ins Büro und weitere Räume strömt, die brüchige Internetverbindung, der sich um Tage verspätende Besuchstermin oder eine Termiteninvasion. Das alles ist Afrika!

Der Weg zum Frauenklo

Weitere Kuriositäten

Resistente Schokolade: Südafrikanische Schokolade schmilzt nicht auch wenn es hier sehr heiß ist. Grund dafür ist, dass sie keine Kakaobutter enthält.
Tarnung: Sendemasten werden als riesige Bäume verkleidet, damit sie nicht so auffallen. In Empangeni gibt es viele davon. Tagsüber fällt es wirklich kaum auf, doch nachts leuchten sie.Trinkverbot: Alkohol darf in der Öffentlichkeit nur unter einem Dach getrunken werden. Daher lassen Kneipenbesitzer ihre Außenterrassen überdachen. Sonntags gilt Alkoholverbot.
Sonnenschutz:
Wir Weißen lassen uns gerne in der Sonne bräunen, viele Schwarzafrikaner greifen jedoch zur Sonnencreme und zum Regenschirm, um nicht noch dunkler zu werden.Deutsche Städte: In Südafrika gibt es einige deutsche Städtenamen, so findet man hier z. B. neben Lüneburg auch Hanover.
Rundhäuser: Traditionelle Zulus bauen ihre Häuser rund, weil sie Angst vor den Schatten in den Ecken haben. Auch fürchten sie vor einem kleinen Mann, der im Wasser leben soll.Ice-cream: Die deutsche Eiscreme-Marke Langnese heißt hier OLA.Tee-Nation: Aller Rooibus-Tee auf der Welt kommt aus Südafrika.
Geld: Der größte Geldschein ist der 200 Rand -Schein. Das sind umgerechnet gerade mal 20 €. Auf den Scheinen sind die Big Five abgebildet.Nationalhymne: Nach der Auflösung der Apartheid war es nicht einfach eine gemeinsame Hymne für das multikulturelle Land zu finden. Sie setzt sich nun aus Teilen aus fünf verschiedenen Sprachen zusammen (Xhosa, Zulu, Sesotho, Afrikaans, Englisch).