Freitag, 22. Oktober 2010

Jubel im Rugbystadion und böse Überraschung danach

17. Oktober 2010

Hinter mir liegt ein sehr ereignisreiches Wochenende. Da wir am Wochenende in der Regel nicht arbeiten müssen, nutzen wir es, um Zeit mit unseren neuen einheimischen Freunden zu verbringen.

Am Samstag sind wir morgens zu sechst nach Richards's Bay gefahren um im Kino „Despicable Me“ (Ich unverbesserlich) zu schauen. Der Film war wirklich sehr lustig und ich kann ihn nur jedem empfehlen. Das Eisessen danach, war eher ein Eisschlingen, denn wir mussten uns beeilen, weil uns Juanita und ihre Freundin zum Rugby-Halbfinalspiel in Durban eingeladen hatten.

Das war echt so cool, dass wir die Möglichkeit hatten „unsere“ Sharks, die wir jetzt schon mehrmals im Fernsehen gesehen hatten, live im Stadium sehen zu können! Zuvor hatte ich noch nicht viel Erfahrung mit Rugby, aber ich war sehr schnell von dieser extrem männlichen Sportart begeistert. Mit vollem Körpereinsatz wird um den Ball gekämpft, um ihn entweder über die gegnerische Linie zu bringen oder über die Latte zu schießen. Es ist ein großer Spaß zu sehen, wie der Spieler mit dem Ball im vollen Lauf zu Boden gerissen wird und die anderen bulligen Spieler auf ihn drauf springen, um ihn aufzuhalten. Ein Gewirr aus Menschen bäumt sich auf.

Ich war als Fahrer für die 160 km lange Strecke auserkoren und hatte wieder einmal das Vergnügen, den südafrikanischen Linksverkehr näher kennen zu lernen. Wir kamen fast eine halbe Stunde zu spät im Stadion an, doch zu unserem Glück hatte das Spiel noch nicht begonnen, weil sich wilde Bienen auf den Feld eingenistet hatten. In Afrika sind Bienen eine ernstzunehmende Bedrohung. Als die beseitigt waren, konnte es nach 45 Minuten Verspätung endlich los gehen. Das Spiel war sehr actiongeladen, die Stimmung im Stadion super und wir absolut begeistert. Die Sharks (aus Durban) legten recht schnell vor, doch das Spiel gegen die Blue Bulls (aus Pretoria) blieb spannend bis zur letzten Minute. Das Spiel ging 16:12 für die Sharks aus, d. h. sie haben es ins Finale geschafft! Wir jubelten was das Zeug hielt. Der einsetzende Regen konnte uns davon auch nicht abbringen.

Als wir zurück zu unserem Auto liefen, war erst einmal wieder Schluss mit dem Jubel. Unser Auto war aufgebrochen! Die Fahrerseitenscheibe wurde eingeschlagen, Scherben lagen im Auto verteilt und es regnete schon eine Weile rein. Die Diebe hatten es auf unser Navi abgesehen, das wir unter dem Sitz versteckt hatten. Sonst wurden keine Gegenstände entwendet, nicht einmal das Ladekabel, das daran hing. Ganz schön ärgerlich, weil wir das Auto von Juanitas Eltern nur mit schweren Herzen ausgeliehen bekommen hatten. Ein Parkeinweiser hatte uns den Platz an einer belebten Straße, wo auch die Polizei präsent war, zugeteilt. Allen Anschein nach, hatte das die Verbrecher wenig beeindruckt. Der Parkeinweiser, der gegen Geld auf unser Auto aufpassen wollte, war natürlich nicht mehr da. Zum Glück ist das Auto versichert, was hier nicht unbedingt selbstverständlich ist. Mit einem mit Frischhaltefolie geflickten Fenster ging es dann mit nicht mehr allzu bedrückter Stimmung zurück nach Hause.


Die Kriminalität ist leider auch eine Seite Südafrikas, die man nicht unterschätzen darf. Ich hab dadurch gelernt, dass ich immer vorsichtig sein muss.

Fotos vom Rugbyspiel:
http://picasaweb.google.com/115000138895194031892/ImRugbystadionInDurban?feat=directlink

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Meine ersten Arbeitstage

7. Oktober 2010

Nun sind mehr als eine Woche um und ich hab schon einige Erfahrungen sammeln können.

In unserem Einstiegsmeeting wurden uns die Aufgabenbereiche erläutert. Dazu gehören Gartenarbeit, Lagerräume aufräumen, Büroarbeit, um die Kinder kümmern, Fahrdienst und alles tun was gerade anfällt.

Momentan sind 4 Kinder im Waisenheim untergebracht, sodass man gut den Überblick behalten kann. Sie heißen Lulu, Jabu, Bonga und Nomonde. Dass hier so wenige Kinder sind heißt noch lange nicht, dass sie keine 24 Stunden am Tag in Anspruch nehmen. Zum Glück arbeiten hier noch 4 Angestellte. Die Kinder sind ganz lieb und sie haben uns Fremdlinge schnell ins Herz geschlossen. Wir spielen, puzzlen und lesen mit ihnen und reparieren ihr Spielzeug. Vor allem Verkleiden lieben sie. Die Ferien sind seit dieser Woche vorbei und nun kommt noch dazu, dass ich die 3 älteren Kinder vom Schulkindergarten abholen muss.



Ich hatte keine Zeit mich an den Linksverkehr in Südafrika zu gewöhnen und so ging die Fahrt gleich los. Das Schalten mit der linken Hand finde ich sehr ungewohnt und die Vorfahrtsregeln hab ich auch noch nicht verstanden. Ich bleib einfach immer stehen und warte ab, was die anderen machen. In Südafrika hat man während der Fahrt definitiv mehr Action als in Deutschland! Die Leute bleiben nicht am Straßenrand stehen, sondern latschen gemütlich über die Straßen, also muss man ausweichen. Blitzer gibt es weit und breit nicht, dementsprechend wird hier auch gefahren. Einen Sitzplatz im Auto teilt man sich gerne mit einer zweiten Person.



Gelegentlich müssen wir für ikhaya einkaufen. Das macht sehr viel Spaß und ich muss sagen, so viel Luxus haben wir in Deutschland nicht! Ein ganz normaler Supermarkt hat einen Parkeinweiser, rund 10 Leute, die die Regale aufräumen oder den Boden wischen und einen Obstabwieger. An allen 10 Kassen sitzt eine Kassiererin mit jeweils einen Einpacker. Nachdem alles im Auto verstaut wurde, kommt noch jemand und bringt den Einkaufswagen zurück. Herrlich!

Wenn die Kinder morgens noch im Kindergarten sind, arbeite ich im Büro und erstelle Spendenquittungen, schreibe Dankesschreiben und dokumentiere alles Mögliche für die Behörden. Unterstützt werde ich von einer anderen Volunteerin, Nikki, aus England. Leider bricht ständig die Internetverbindung zusammen, sodass es ewig dauert, bis eine E-Mail den Postausgang verlässt.

Heute haben Timon H., der nur noch Ty genannt wird, und ich das Dach vom ikhaya-Waisenhaus isoliert, damit es im Sommer nicht zu heiß wird. Ein Freund hat bei einer Baustelle ganz viele Glaswolle-Überresteste aufgesammelt, die wir nun im stockfinstren, stickigen Dachgebälk auf dem Boden verlegen durften. Auf den Boden durften wir nicht treten, weil wir sonst hindurchbrechen würden. Also nur wie die Affen von Balken zu Balken springen. Das war eine sehr anstrengende Arbeit und mich juckt's noch überall, wenn ich dran denke.



Auf dem ikhaya-Gelände wird seit Längerem auch eine Kirche gebaut. Sie soll am 10.10.2010 mit einem großen Fest eingeweiht werden. Wir haben geholfen, sie zu streichen. Schwarze und Weiße arbeiten hier zusammen. Man merkt, dass nun die Zeit gekommen ist, sein deutsches perfektionistisches Denken über Bord zu werfen. Wasserwagen und Winkelmaß gibt es hier nicht. Wozu auch, wenn man ein gutes Augenmaß hat? Und wenn's mal nicht passt, kann man es ja noch mal abschrauben und von Neuem versuchen.



Ich habe schon viele neue Kontakte knüpfen können und wurde schon zum Braai (traditionelles südafrikanisches Grillfest) eingeladen, wo wir auch typischerweise im Fernsehen ein Rugbyspiel geschaut haben. Unsere Sharks (aus Durban) haben die Leopards geschlagen! Yes!
Ansonsten wollen mich Leute zum Strand von Richard's Bay, zum Shoppen nach Durban, zum Angeln, zum Tauchen und zum Paragliden einladen. Die Leute sind hier einfach alle sehr offen und herzlich. Den südafrikanischen Handschlag hab ich auch schon gelernt.

Unser Wasser ist immer noch nicht in Ordnung. Manchmal kommt braune Brühe raus, manchmal gar nichts. Damit müssen wir wohl leben. Die Versuche, dass warmes Wasser aus der Dusche kommt, waren bisher nicht sehr erfolgreich.
Heute haben wir unsere Waschmaschine eingeweiht und gleichzeitig unsere Küche geflutet. Ein Rohr war nicht ganz dicht.

Sala Kahle! (Das ist Zulu und heißt: Tschüss)



Fotos
Erste Woche mit Kindern:
http://picasaweb.google.com/115000138895194031892/ErsteArbeitswoche?feat=directlink

Bauarbeiten:
http://picasaweb.google.com/115000138895194031892/Bauarbeiten?feat=directlink