Bei uns sind herbstliche Temperaturen von 25 Grad eingekehrt, was sehr angenehm ist. Hinter mir liegen wieder ereignisreiche Wochen. Das größte Ereignis war für mich als ich am 17. April in Durban am Flughafen stand und nach langem ungeduldigen Warten meine Freundin Anna wieder in die Arme schließen konnte. Sieben Monate sind bereits vergangen, dass wir uns gesehen haben.
Was gibt’s Neues bei iKhaya?
Wir Volunteere haben Zuwachs. Tyla aus England wohnt nun für zwei Monate in unserer WG und kümmert sich liebevoll um die Kinder. Für uns drei Deutsche heißt es, dass nur noch Englisch zuhause gesprochen wird. Das ist eigentlich sehr gut. Über iKhaya treffen Menschen aus aller Welt zusammen.
In letzter Zeit hat es viel geregnet, sodass uns das Wetter den Job des täglichen Gemüsebewässerns zum Teil abgenommen hat. Die Kinder lieben es, ihre Gemüsegärten zu bewirtschaften. Unsere Butternuts sind nicht mehr zu stoppen - sie wachsen über die Betonbegrenzungen hinaus.

Eine andere erfreuliche Neuigkeit ist, dass dank großzügiger Spender, Ventilatoren an die Decken der Kinderschlafräume angebracht werden konnten. Die Kinder freuen sich ebenfalls über eine neue Schaukel und ich mich über einen neuen Rasenmäher.
Hinter dem Haus haben wir Volunteere ein großes Loch für ein Trampolin gebuddelt. Unterstützt wurden wir von Leuten, die wir zuvor am Strand beim Volleyball spielen getroffen hatten. Als ich mit ihnen ins Gespräch kam und erzählte, was ich hier in Südafrika mache, boten sie mir gleich ihre Hilfe an. Wir machten einen Termin aus und dann war alles geritzt. Der vierjährige Bonga hat mit einer großen Schaufel ebenfalls fleißig mitgemischt.
In unserem letzten Meeting haben wir beschlossen, die Kinder pädagogisch noch intensiver zu fördern, da sie teilweise noch einige Defizite haben. Ich trainiere mit ihnen am Klettergerüst. Über ihre Erfolge sind sie sehr stolz.
Unser jüngstes Baby hat letztens ihren ersten Geburtstag gefeiert. Kurz darauf hat sie ihre ersten Schritte gemacht. Auch über diesen Fortschritt freue ich mich sehr.
Vor Kurzem habe ich mit den Kindern zusammen gesungen. Sie haben mir ihre Lieblingslieder vorgetragen. Besonders beliebt sind „Five little monkeys“, „I love you - Barney Song“ und „Waka waka“ von Shakira.

Land und Leute
Ein Ziel meines FSJ ist für mich u. a. Land und Leute besser kennen zu lernen. Diesem Ziel bin ich schon einen weiteren großen Ziel näher gekommen.
Die Schönheiten des Landes habe ich bei einer mehrtägigen Wanderung in den Drakensbergen kennen gelernt. Das Gebirge gleicht in seiner Form und Farbe dem Rücken eines Drachens. Daher der Name. Es ging mit großen Rucksäcken durch Bäche und Felsen, an Wasserfällen vorbei, über Hügel und große baumlose Grasflächen zu einer Höhle, in der wir übernachteten.

An einem anderen Wochenende hatten uns Bekannte zu einem Paragliding-Wochenende eingeladen. Am ersten Tag haben wir einige Starts von einem Hügel geübt. Am zweiten Tag wurde es ernst und wir fuhren einen Berg hinauf, 250 Meter über dem Tal. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eines Tages alleine durch die Lüfte fliegen würde. Mir war etwas mulmig als ich ins Tal runterschaute, doch als ich dann nach etwas Anlauf in die Luft gesogen wurde, genoss ich das Gefühl der Schwerelosigkeit und die Welt aus der Vogelperspektive. Die Landung hat nach einem aufregenden Flug dank der Anweisungen übers Funkgerät gut geklappt.

Mit Anna und Jayne habe ich das Leben der Zulus näher kennen gelernt. Wir waren in Shakaland in einem traditionellen Zulu-Dorf für Touristen. Bei den Zulus gibt es klare Rollenverteilungen, wie wir schnell feststellten. Ihre soziale Hierarchie basiert auf Respekt.
Die Frauen brauen täglich Utshwala, ein Bier aus Wasser, Malz, Hirse und Mais. Die Frau kostet es zuerst, um zu prüfen, ob es giftig ist. Auch wir mussten alle einen Schluck von der trüben Brühe probieren. Nicht besonders lecker! Beim gemütlichen Zusammensein wird auch aus einer Hornpfeife geraucht. Davor blieben wir aber verschont.

Ein Zulu-Mann erzählte uns, dass sein Volk eine starke Militärnation war, worauf sie bis heute noch sehr stolz sind. Im 19. Jahrhundert besiegten sie unter King Shaka die kolonialen Briten in einer geschichtsträchtigen Schlacht. Shaka entwickelte revolutionäre Kampftechniken und neue Waffen, mit denen er ein großes Reich erschaffte.

Die Zulus zeigten uns, wie man große runde Töpfe auf dem Kopf balanciert und ihre Perlenkunst. Da sie früher keine Möglichkeit hatten mit Papier und Stift zu schreiben, entwickelten sie eine Nachrichtenübertragung mit Perlen. Die Farben und Muster eines Perlenschmucks haben alle verschiedene Bedeutungen, wie z. B. „Ich bin noch nicht verheiratet, du hast eine Chance“.
Die Zulus waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen und freuten sich über unser Interesse. Sie führten uns auch viele verschiedene Tänze zu lauten Trommelklängen vor. Als ein Tanz vorbei war, ging einer der Tänzer durch die Reihen. Daraufhin durfte Anna als (Un-)Freiwillige bei einem Kriegstanz mittanzen, worüber ich mich sehr amüsierte.

Mit Anna zusammen hatte ich zwei unvergessliche Wochen. In Erinnerung wird uns wahrscheinlich hängen bleiben, dass bei uns im Gästehaus an einem Tag Affen Hausfriedensbruch begangen und unsere geliebten Schokoladenkekse aus dem Zimmer geklaut hatten. Wir konnten sie glücklicherweise auf frischer Tat ertappen und sie verjagen. An einem anderen Tag stand unser Zimmer unter Wasser. Die Klempner hatten zuvor die Warmwasserleitung überarbeitet. Daraufhin mussten wir umziehen. Wir sind sehr dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Danke Schatz, dass du in die Regenbogenation gereist bist, um mich zu besuchen!!! :-)

Fotos von weiteren schönen Momenten im März/April:
https://picasaweb.google.com/115000138895194031892/SchoneMomenteImMarzApril?feat=directlink