Dienstag, 3. Mai 2011

Besuch aus Deutschland und andere schöne Erlebnisse

Bei uns sind herbstliche Temperaturen von 25 Grad eingekehrt, was sehr angenehm ist.

Hinter mir liegen wieder ereignisreiche Wochen. Das größte Ereignis war für mich als ich am 17. April in Durban am Flughafen stand und nach langem ungeduldigen Warten meine Freundin Anna wieder in die Arme schließen konnte. Sieben Monate sind bereits vergangen, dass wir uns gesehen haben.

Was gibt’s Neues bei iKhaya?

Wir Volunteere haben Zuwachs. Tyla aus England wohnt nun für zwei Monate in unserer WG und kümmert sich liebevoll um die Kinder. Für uns drei Deutsche heißt es, dass nur noch Englisch zuhause gesprochen wird. Das ist eigentlich sehr gut. Über iKhaya treffen Menschen aus aller Welt zusammen.

In letzter Zeit hat es viel geregnet, sodass uns das Wetter den Job des täglichen Gemüsebewässerns zum Teil abgenommen hat. Die Kinder lieben es, ihre Gemüsegärten zu bewirtschaften. Unsere Butternuts sind nicht mehr zu stoppen - sie wachsen über die Betonbegrenzungen hinaus.

Eine andere erfreuliche Neuigkeit ist, dass dank großzügiger Spender, Ventilatoren an die Decken der Kinderschlafräume angebracht werden konnten. Die Kinder freuen sich ebenfalls über eine neue Schaukel und ich mich über einen neuen Rasenmäher.

Hinter dem Haus haben wir Volunteere ein großes Loch für ein Trampolin gebuddelt. Unterstützt wurden wir von Leuten, die wir zuvor am Strand beim Volleyball spielen getroffen hatten. Als ich mit ihnen ins Gespräch kam und erzählte, was ich hier in Südafrika mache, boten sie mir gleich ihre Hilfe an. Wir machten einen Termin aus und dann war alles geritzt. Der vierjährige Bonga hat mit einer großen Schaufel ebenfalls fleißig mitgemischt.

In unserem letzten Meeting haben wir beschlossen, die Kinder pädagogisch noch intensiver zu fördern, da sie teilweise noch einige Defizite haben. Ich trainiere mit ihnen am Klettergerüst. Über ihre Erfolge sind sie sehr stolz.
Unser jüngstes Baby hat letztens ihren ersten Geburtstag gefeiert. Kurz darauf hat sie ihre ersten Schritte gemacht. Auch über diesen Fortschritt freue ich mich sehr.
Vor Kurzem habe ich mit den Kindern zusammen gesungen. Sie haben mir ihre Lieblingslieder vorgetragen. Besonders beliebt sind „Five little monkeys“, „I love you - Barney Song“ und „Waka waka“ von Shakira.

Land und Leute

Ein Ziel meines FSJ ist für mich u. a. Land und Leute besser kennen zu lernen. Diesem Ziel bin ich schon einen weiteren großen Ziel näher gekommen.
Die Schönheiten des Landes habe ich bei einer mehrtägigen Wanderung in den Drakensbergen kennen gelernt. Das Gebirge gleicht in seiner Form und Farbe dem Rücken eines Drachens. Daher der Name. Es ging mit großen Rucksäcken durch Bäche und Felsen, an Wasserfällen vorbei, über Hügel und große baumlose Grasflächen zu einer Höhle, in der wir übernachteten.

An einem anderen Wochenende hatten uns Bekannte zu einem Paragliding-Wochenende eingeladen. Am ersten Tag haben wir einige Starts von einem Hügel geübt. Am zweiten Tag wurde es ernst und wir fuhren einen Berg hinauf, 250 Meter über dem Tal. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eines Tages alleine durch die Lüfte fliegen würde. Mir war etwas mulmig als ich ins Tal runterschaute, doch als ich dann nach etwas Anlauf in die Luft gesogen wurde, genoss ich das Gefühl der Schwerelosigkeit und die Welt aus der Vogelperspektive. Die Landung hat nach einem aufregenden Flug dank der Anweisungen übers Funkgerät gut geklappt.

Mit Anna und Jayne habe ich das Leben der Zulus näher kennen gelernt. Wir waren in Shakaland in einem traditionellen Zulu-Dorf für Touristen. Bei den Zulus gibt es klare Rollenverteilungen, wie wir schnell feststellten. Ihre soziale Hierarchie basiert auf Respekt.

Die Frauen brauen täglich Utshwala, ein Bier aus Wasser, Malz, Hirse und Mais. Die Frau kostet es zuerst, um zu prüfen, ob es giftig ist. Auch wir mussten alle einen Schluck von der trüben Brühe probieren. Nicht besonders lecker! Beim gemütlichen Zusammensein wird auch aus einer Hornpfeife geraucht. Davor blieben wir aber verschont.

Ein Zulu-Mann erzählte uns, dass sein Volk eine starke Militärnation war, worauf sie bis heute noch sehr stolz sind. Im 19. Jahrhundert besiegten sie unter King Shaka die kolonialen Briten in einer geschichtsträchtigen Schlacht. Shaka entwickelte revolutionäre Kampftechniken und neue Waffen, mit denen er ein großes Reich erschaffte.

Die Zulus zeigten uns, wie man große runde Töpfe auf dem Kopf balanciert und ihre Perlenkunst. Da sie früher keine Möglichkeit hatten mit Papier und Stift zu schreiben, entwickelten sie eine Nachrichtenübertragung mit Perlen. Die Farben und Muster eines Perlenschmucks haben alle verschiedene Bedeutungen, wie z. B. „Ich bin noch nicht verheiratet, du hast eine Chance“.

Die Zulus waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen und freuten sich über unser Interesse. Sie führten uns auch viele verschiedene Tänze zu lauten Trommelklängen vor. Als ein Tanz vorbei war, ging einer der Tänzer durch die Reihen. Daraufhin durfte Anna als (Un-)Freiwillige bei einem Kriegstanz mittanzen, worüber ich mich sehr amüsierte.

Mit Anna zusammen hatte ich zwei unvergessliche Wochen. In Erinnerung wird uns wahrscheinlich hängen bleiben, dass bei uns im Gästehaus an einem Tag Affen Hausfriedensbruch begangen und unsere geliebten Schokoladenkekse aus dem Zimmer geklaut hatten. Wir konnten sie glücklicherweise auf frischer Tat ertappen und sie verjagen. An einem anderen Tag stand unser Zimmer unter Wasser. Die Klempner hatten zuvor die Warmwasserleitung überarbeitet. Daraufhin mussten wir umziehen. Wir sind sehr dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Danke Schatz, dass du in die Regenbogenation gereist bist, um mich zu besuchen!!! :-)

Fotos von weiteren schönen Momenten im März/April:
https://picasaweb.google.com/115000138895194031892/SchoneMomenteImMarzApril?feat=directlink

Donnerstag, 7. April 2011

Seifenblasen

Ohne Worte.

Wenn morgens der Schuh drückt

Als ich morgens halbverschlafen in meinen rechten Schuh steigen wollte, wunderte ich mich sehr: Nanu, warum passt er nicht mehr? Irgendwas blockiert meine Schuhspitze. Hat der Nikolaus wieder Mandarinen verteilt?
Ich schaue hinein und blicke in zwei ebenfalls halbverschlafene Augen einer dicken Kröte. Beim linken Schuh bin ich dann schlauer. Auch hier hat sich's über Nacht eine Kröte bequem gemacht. Ob sich die beiden von dem Duft meiner Schuhe angezogen gefühlt haben? :-)
Tut mir Leid Kröten, aber sucht euch ein neues Zuhause!

Freitag, 11. März 2011

März - Die Saat-Saison hat begonnen!

Was ist neu?

In den letzten Wochen durften wir drei neue Babys erhalten. Wir durften Alwande (2 Jahre, w), Sphiwo (anderthalb Jahre, m) und Nomfanelo (10 Monate, w) herzlich willkommen heißen. Die drei sind gute Spielkameraden für die anderen vier geworden und es macht Spaß ihnen beim spielen, klettern und rumalbern zuzusehen. Wenn ich in den Raum komme, stürzen sie sich gleich auf mich und wollen durch die Luft gewirbelt werden.

Die beiden Jungs zeigen reges Interesse an Handwerksarbeit und helfen mir manchmal mit ihren Werkzeugen, Löcher zu bohren und Haken an die Wand zu schrauben. Die Mädchen verkleiden sich gerne als Prinzessinnen und würden sich auch gern so behandeln lassen. Die Kinder tun alles, damit uns nicht langweilig wird. Es ist gar nicht so leicht, alle Kinder ins Bett zubekommen, ohne dass es danach wieder laut wird, oder ein Essen zuzubereiten, dass nicht „von alleine“ vom Essenstisch fällt. Auch versuchen wir den Kindern Höflichkeitsformen beizubringen und mit Messer und Gabel zu essen. Ich bin sehr zuversichtlich und freue mich sehr, dass ich mich hier einbringen kann.


Diese Woche hatten wir ein Picknick für die Kinder veranstaltet. Sie lieben es immer sehr, möglichst viel und als schnellstes zu essen. Mit März hat die Saat-Saison begonnen, und somit durften die Kinder in den, ihnen zugeteilten Stücken im Gemüsegarten, Samen einlegen. Wir sind gespannt, was daraus wird. Sonne werden die Pflanzen wohl genug haben. Heute zeigte das Thermometer 44 Grad!

Im und am Haus wird trotz der Temperaturen fleißig gearbeitet. Drinnen haben Ty und ich den Boden fertig mit Fliesen ausgelegt. An den vielen Fenstern haben wir Gardinen und Rolläden installiert. Im Lagerraum wurden einige gespendete Kubikmeter Windeln verstaut und Kinderkleidung sortiert und beschriftet. Möbel wurden repariert und gestrichen. Draußen wird ein groß angelegtes Regenabfluss-System gebaut, damit wir nicht wieder geflutet werden. Neben vielen weiteren Arbeiten drehen Ty und ich ein Video, um internationale Spenden für iKhaya LikaBaba zu gewinnen. Dafür interviewen wir alle möglichen Leute. Auch an unserem Internetauftritt wird stetig gebastelt.
Und was sonst so?


Ein besonders beieindruckendes Ereignis war für mich eine Stadtbesichtigung in Durban. Bei der Tour wollte uns ein Bekannter das „wirkliche Durban“ zeigen, also jenseits von den Einkaufsmeilen und Luxushotels am Strand. Ein Einheimischer zeigte uns, wie die Schwarzafrikaner hier leben. Sie leben wie fast überall in Südafrika in Townships, in kleinen ärmlichen Hütten. Während der Apartheid, die bis in die 90er anhielt, lebten alle Rassen Südafrika untereinander in staatlich zugeteilten Gebieten. Dabei hatten die Schwarzen die wenigsten Rechte, Farbige und Asiaten einige mehr, und die Weißen die meisten.

Heute darf jeder dort leben, wo er will, dennoch hinterlässt das Apartheidsdenken immer noch viele Spuren in den Köpfen der Bevölkerung und so gibt es immer noch die Viertel, wo nur eine einzige Bevölkerungsgruppe lebt. Man merkt allerdings auch, es nicht mehr sehr viel Rassismus gibt, sondern dass man sich gegenseitig respektiert. Vor allem bei der jungen Generation spielt die Herkunft für das Miteinander keine große Rolle. Und somit haben sich auch die Schwarzafrikaner gefreut, dass wir uns für ihre Kultur interessierten. Auf dem Markt hat mir gleich jemand eine Kostprobe seiner Kuhkopfsuppe gegeben. Soll angeblich Hals, Lungen und Nieren reinigen. Die Afrikaner sind alle sehr offen und möchten gerne mit dir reden. Somit hatten wir einige schöne Erlebnisse, die ich gar nicht alle aufschreiben kann.

Fotos vom Heim im Februar/März und von Durban:
https://picasaweb.google.com/115000138895194031892/MarzKunterbunt?feat=directlink

This is Africa! - Die Tücken des Alltags

Der südafrikanische Lebensstandard gleicht zu einem erstaunlich großen Teil dem europäischen Standard. Man sollte deswegen allerdings nicht meinen, dass alles reibungslos läuft wie in Europa.

Bei uns auf dem Gelände äußert es sich das z. B. so aus: An einem Tag kommt kein Wasser aus den Leitungen, weil eine Pumpe defekt ist. Dass wir auf warmes Wasser meistens verzichten mussten, waren wir ja gewöhnt, aber dass gar kein Wasser kam, machte uns doch etwas stutzig. Waschen und auf Klo gehen, fällt dann für eine Weile aus. „This is Africa!“ sagt uns der Südafrikaner dann grinsend. „This is Africa!“ - Das ist nicht nur ein Spruch, sondern eine Lebenseinstellung! Sie drückt die Gelassenheit des Betroffenen aus, wenn mal gerade etwas nicht richtig läuft.

Man wartet geduldig auf den Spezialisten, der alles wieder zurecht rückt. Dann kann sich ein jeder, der noch eingeschäumt unter der Dusche steht, fertig abspülen und den Wert des Wassers schätzen lernen.

Einen Tag darauf ist der Strom weg. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Geburtstagsfeier eines der Kinder stattfinden soll. Natürlich muss vorher noch gebacken werden. Nichts ist zu machen. Eine Ausweichmöglichkeit wird gesucht, während aus den Kühlschränken und Eisfächern geschmolzenes Eis tropft. Ich sag nur: „This is Africa!“

An den anderen Tagen ist es der Rasenmäher, der wieder einmal den Geist aufgibt, das störrische Auto, der Regen, der durchs Dach tropft und in Massen unter die Eingangstürritze ins Büro und weitere Räume strömt, die brüchige Internetverbindung, der sich um Tage verspätende Besuchstermin oder eine Termiteninvasion. Das alles ist Afrika!

Der Weg zum Frauenklo

Weitere Kuriositäten

Resistente Schokolade: Südafrikanische Schokolade schmilzt nicht auch wenn es hier sehr heiß ist. Grund dafür ist, dass sie keine Kakaobutter enthält.
Tarnung: Sendemasten werden als riesige Bäume verkleidet, damit sie nicht so auffallen. In Empangeni gibt es viele davon. Tagsüber fällt es wirklich kaum auf, doch nachts leuchten sie.Trinkverbot: Alkohol darf in der Öffentlichkeit nur unter einem Dach getrunken werden. Daher lassen Kneipenbesitzer ihre Außenterrassen überdachen. Sonntags gilt Alkoholverbot.
Sonnenschutz:
Wir Weißen lassen uns gerne in der Sonne bräunen, viele Schwarzafrikaner greifen jedoch zur Sonnencreme und zum Regenschirm, um nicht noch dunkler zu werden.Deutsche Städte: In Südafrika gibt es einige deutsche Städtenamen, so findet man hier z. B. neben Lüneburg auch Hanover.
Rundhäuser: Traditionelle Zulus bauen ihre Häuser rund, weil sie Angst vor den Schatten in den Ecken haben. Auch fürchten sie vor einem kleinen Mann, der im Wasser leben soll.Ice-cream: Die deutsche Eiscreme-Marke Langnese heißt hier OLA.Tee-Nation: Aller Rooibus-Tee auf der Welt kommt aus Südafrika.
Geld: Der größte Geldschein ist der 200 Rand -Schein. Das sind umgerechnet gerade mal 20 €. Auf den Scheinen sind die Big Five abgebildet.Nationalhymne: Nach der Auflösung der Apartheid war es nicht einfach eine gemeinsame Hymne für das multikulturelle Land zu finden. Sie setzt sich nun aus Teilen aus fünf verschiedenen Sprachen zusammen (Xhosa, Zulu, Sesotho, Afrikaans, Englisch).

Montag, 31. Januar 2011

Wir haben Zuwachs

Gute Neuigkeiten: Wir haben neue Babys aufnehmen können. Letzte Woche erhielten wir das 9 Monate alte Baby Nomfanelo (w, auf dem Foto oben links) und eben gerade das 2 Jahre alte Baby Alwande (w), nächste Woche soll ein Junge dazu kommen. Wir freuen uns sehr darüber.

Am Wochenende haben wir mit einem Trupp von Freiwilligen das gesamte Heim von außen in hellgrau eingestrichen. Auch die Zaunsockel haben einen Anstrich verpasst bekommen. Im Gerätehaus bauen Ty und ich momentan einen verschließbaren Schrank für unser Werkzeug.




Mehr Fotos rund um iKhaya im Neujahr:
http://picasaweb.google.com/115000138895194031892/RundUmsHeimImNeujahr?feat=directlink